Doch das Erwachsenenalter hatte Michaels Sichtweise verändert. Er ging mit Stipendien aufs College, für die Linda sich fast selbst aufgeopfert hatte – endlose Bewerbungen, Termine, Nebenjobs und Nachhilfestunden am Wochenende, die sie selbst bezahlte, selbst wenn sie dadurch manchmal Mahlzeiten ausließ.
Als er seinen Abschluss machte und nach San Francisco zog, blickte er nur selten zurück. Linda besuchte ihn, wenn sie eingeladen war, was nicht oft vorkam, und übernachtete stets in einem Motel, um ihm nicht im Weg zu stehen. Sie redete sich ein, das sei normal. Kinder werden erwachsen. Sie bauen sich ihr eigenes Leben auf. Sie wiederholte das so oft, dass sie es fast selbst glaubte.
Die Hochzeitsplanung hatte die Kluft zwischen ihnen nur noch vergrößert. Emma, stets höflich, behandelte Linda weiterhin wie eine Randfigur – eher wie eine gewöhnliche Gästin als wie die Mutter des Bräutigams. Entscheidungen wurden ohne sie getroffen, und sie erfuhr davon nur in kurzen, obligatorischen Mitteilungen. Beim Empfang saß sie auf einem Platz mitten im Saal, weit entfernt vom Brauttisch. Sie redete sich ein, es spiele keine Rolle. Es war ihre Feier; ihr eigenes Wohlbefinden war unwichtig.
Doch manches war schwerer zu ertragen. Beim Probeessen stellte sie niemandem vor, bis sie sich schließlich selbst zum Sprechen zwang. Als Emmas Mutter den Brautjungfern und beiden Müttern die passenden Seidenroben überreichte, wurde Linda stillschweigend übergangen. Der Fotograf drängte sie immer wieder an den Rand der Familienfotos und positionierte sie wie eine entfernte Verwandte, anstatt sie als die Frau darzustellen, die den Bräutigam allein großgezogen hatte.
Als der Hochzeitstag endlich da war, war Linda schon völlig erschöpft. Trotzdem packte sie überall mit an, wo sie konnte – sie half beim Zuziehen der Reißverschlüsse an den Kleidern der Brautjungfern, befestigte Ansteckblumen und sammelte verlegte Kleidersäcke ein.
Ihr eigenes Kleid war schlicht, hellblau, gewählt, weil sie nicht „Aufmerksamkeit erregen“ wollte. Sie redete sich ein, dass sie zufrieden sei, einfach nur anwesend zu sein.
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