Mein „Zimmer“ war eigentlich kein richtiges Zimmer. Es war ein fensterloser Abstellraum im Keller mit einer Einzelmatratze, die Gerald mal am Straßenrand gefunden hatte, als ich neun war. Megan hingegen hatte oben das Doppelbett, den Schminkspiegel, die Kreditkarte auf sein Konto und das unbeschwerte Lachen einer Frau, die nie daran gezweifelt hatte, ob sie dazugehörte.
Um neun Uhr abends war die Party wieder in vollem Gange, als wäre nichts gewesen. Gerald lachte. Donna füllte die Gläser nach. Megan zeigte den Gästen das Video, das sie von mir gemacht hatte, als ich eine Ohrfeige bekam. Ich ging nach unten, nahm meinen abgenutzten Rucksack von der Wand und packte alles ein, was mir wichtig war: zwei Hemden, eine Jeans ohne Löcher, eine Zahnbürste, mein Ladekabel, 340 Dollar in bar und einen Umschlag, den ich Monate zuvor in einem Karton gefunden hatte, den Gerald weggeworfen hatte.
Es trug das Staatssiegel von Virginia und die Aufschrift „Zusammenfassung der Auszahlung von Adoptionshilfen“. Ich habe es nie ganz verstanden. Ich wusste nur, dass mein Name darauf stand und Gerald es versteckt hatte.
Ich ging wortlos zur Haustür hinaus.
Niemand hat mich aufgehalten.
Die Oktoberluft war so kalt, dass sie auf der Narbe in meinem Gesicht brannte. Ich ging die Patterson Avenue entlang, den Rucksack drückte mir in die Schultern, und hatte keinen Plan außer: weg. Ich schaffte es zwei Meilen, bevor die Scheinwerfer hinter mir langsamer wurden.
Ein schwarzer Cadillac Escalade hielt an.
Die Hintertür öffnete sich. Ein großer Mann in einem dunklen Mantel trat heraus, gefolgt von einer rothaarigen Frau mit einer Ledermappe. Seine Hände zitterten. Im Schein der Straßenlaterne fielen mir zuerst seine Augen auf – haselnussgrün, weit auseinanderstehend, genau dieselben Augen, die ich jeden Morgen im Spiegel sah.
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