„Nimm mich mit“, flehte ich. „Wir können von vorn anfangen.“
Er blickte mich mit müden, uralten Augen an.
„Neuanfang? Ich habe deine Schwangerschaft beendet. Du hast mich das Kind eines anderen Mannes großziehen lassen. Die Basis ist verrottet.“
„Aber gab es denn keine Liebe?“
„Das gab es. Genau das macht es so tragisch.“
Drei Tage später reiste er ab. Kein Abschied für mich – nur für Jake und unseren Enkel.
Jetzt lebe ich allein in dem Haus, das einst unser Leben beherbergte. Manchmal rieche ich noch immer Tabak in seinem Arbeitszimmer. Manchmal vermisse ich meinen Mitbewohner, der wenigstens meine Luft mit mir teilte.
Früher glaubte ich, die Strafe sei der Verlust der Intimität. Ich dachte, es sei das Schweigen.
Ich habe mich geirrt.
Die Strafe ist das Wissen, dass ich diese Einsamkeit selbst geschaffen habe. Zwei Kinder – eines nie geboren, eines nie biologisch unser eigenes – und ein Ehemann, der eine Version von mir liebte, die nicht real war.
Jake ruft oft an. Er besucht Michael zweimal im Jahr in Oregon.
„Fragt er jemals nach mir?“, frage ich immer.
Es gibt immer eine Pause.
„Nein, Mama“, sagt Jake sanft. „Das tut er nicht.“
Und ich sitze im schwindenden Licht und höre dem Ticken der Uhr zu, die mein Leben vergeht, das ich nun allein beenden muss.